Neuropsychologie(neuropsychologische Störungen, organisch bedingte psychische Störungen, neuropsychologische Therapie) Die Neuropsychologie in der
Behandlung und Rehabilitation erworbener Hirnschäden Welche Folgen können Erkrankungen des Gehirns haben?
Nur
ein Drittel der Patienten
konnten - nach einem traditionellen Rehabilitationsprogramm mehreren internationalen Untersuchungen zufolge
- über die Ergebnisse von
Rehabilitationsbehandlungen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Weniger körperliche
Beeinträchtigungen als vielmehr Störungen im Bereich der geistigen Leistungsfähigkeit,
im Gefühlsleben sowie im Sozialverhalten (neuropsychologische Störungen)
hinderten an einer erfolgreichen sozialen Wiedereingliederung. Sie wurden von
Familienmitgliedern nach der Entlassung als problematisch und belastend erlebt.
Eine erhöhte Scheidungsquote, zunehmende Vereinsamung der Betroffenen, soziale
Isolierung und finanzielle Probleme sind typisch für die soziale Situation nach
Erleiden einer Hirnschädigung. Viele junge Patientinnen und Patienten lebten
und leben Jahre nach dem Ereignis wieder in ihrer Ursprungsfamilie, da Partner
und Freunde den Belastungen nicht standgehalten haben.
bezeichnet.
Neuropsychologie:
Diagnostik
Eine
neuropsychologische Therapie setzt zunächst eine spezifische
neuropsychologische Diagnostik voraus. Sie verfolgt je nach Auftrag folgende
Zielsetzungen:
und
basiert in ihrem Ansatz auf einem fundierten Grundlagenwissen der Ätiopathogenese
organisch bedingter psychischer Störungen sowie deren Therapie und Verlauf. Bei
der Interpretation der erhobenen Befunde müssen neben der Interaktion
verschiedener kognitiver Funktionen emotionale und motivationale Veränderungen,
assoziierte Defizite sowie Medikamenteneinflüße (z.B. Antikonvulsiva,
Beta-Blocker, Psychopharmaka) berücksichtigt werden.
Die den oben beschriebenen Problemen zugrundeliegenden Störungen können durch eine ganze Reihe neuropsychologischer Test- und Untersuchungsverfahren erfasst werden. An diese sind - wie bei allen Messinstrumenten, die psychische Funktionen abbilden sollen - hohe Anforderungen bzgl. der Testgütekritierien zu stellen, um die zugrundeliegende Merkmale möglichst sicher zu erfassen. Mit schlechten Verfahren lassen sich therapieinduzierte Veränderungen nicht von Zufallsveränderungen unterscheiden. Eine Auflistung und Kurzbeschreibung spezieller neuropsychologischer Testverfahren läßt sich z.B. dem Testkatalog der Testzentrale (Hogrefe, 1998/99, S. 185-201) entnehmen. Ausführlich werden neuropsychologische Tests in Cramon, Mai und Ziegler (1993), Lezak (1995), Spreen und Strauss (1997) und Wade (1992) sowie im Lehrbuch der Klinischen Neuropsychologie von Sturm, Herrmann und Wallesch (2000) vorgestellt. Doch nicht nur durch Testverfahren können neuropsychologische Störungen erfasst werden. Besonders im Bereich von Persönlichkeitsveränderungen kommen strukturierte klinische Interviews mit Patienten und Angehörigen neben Persönlichkeitstests und Fragebogenverfahren zur Selbst- und Fremdeinschätzung zur Anwendung. Da bei einer Vielzahl der Patienten keine ausreichende Einsichtsfähigkeit in die Folgen der Hirnschädigung gegeben ist, sind in der Regel Angehörige oder unmittelbare Bezugspersonen mit einzubeziehen. Zusätzlich sind
Verhaltensbeobachtung und Verhaltensproben wichtige Bestandteile der
neuropsychologischen Diagnostik (Lezak, 1995). Schon bei der Durchführung
standardisierter psychometrischer Tests gibt die Verhaltensbeobachtung während
der Testdurchführung wertvolle Hinweise auf mögliche kognitive, emotionale und
motivationale Störungen. Im Mittelpunkt der Verhaltensbeobachtung während der
Testdurchführung steht das Instruktionsverständnis, die Entwicklung von Lösungswegen,
Aspekte der Handlungsplanung (z.B. Strukturierung der Aufgabe in Teilziele,
Aufteilung einer größeren Anzahl von Informationen in Kategorien), die
Umsetzung zielgerichteter Handlungsschritte sowie das Erkennen und Korrigieren
von Fehlern. Verhaltensproben außerhalb des Untersuchungszimmers liefern
weitere wichtige diagnostische Informationen. Insbesondere lässt sich dadurch
die funktionelle Relevanz kognitiver Störungen in verschiedenen
Alltagssituationen beobachten und beurteilen.
Neuropsychologie:
Neuropsychologische
Therapie
Für
die oben beschriebenen neuropsychologische
n
Nach
Kenntnis der organisch bedingten kognitiven und emotional-affektiven Störungen,
der verbliebenen Ressourcen, der verhaltensbegrenzenden Faktoren der
Grunderkrankung, der Veränderungsmotivation, des sozialen und beruflichen
Umfelds wird unter Einbeziehung der Kenntnisse über die begrenzenden Faktoren
der Erkrankung für die erkrankte Person in Hinblick auf ihr persönliches Ziel
hin ein Behandlungsplan erstellt.
Neuropsychologische
Therapie umfasst zunächst das Bemühen um größtmögliche Verminderung der
funktionellen Defizite durch funktionelle
Therapien in den Bereichen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Denken
usw. - Sie umfasst weiterhin das Erlernen der Kompensation beeinträchtigter
Funktionen (Kompensationstherapien).
Die veränderten Bedingungen erfordern die Entwicklung eines neuen emotionalen
Gleichgewichts im Patienten, d.h. der Patient soll lernen, die neuen Bedingungen
ohne Verlust der Selbstachtung anzunehmen.
Er muss seine Erkrankung und deren Folgen verarbeiten. - Neuropsychologische
Therapie umfasst schließlich die soziale und berufliche Neuanpassung durch die
Herausarbeitung und Verwirklichung neuer Verhaltensweisen (Integrative
Therapien), wie auch die Anpassung des familiären, sozialen und beruflichen
Umfelds an die veränderte Situation des Patienten.
Allgemeines
Ziel der neuropsychologischen Therapie
ist also die Herstellung einer neuen Balance zwischen dem hirngeschädigten
Patienten - mit seinen veränderten Voraussetzungen - einerseits und den Umweltbedingungen
und Erwartungen, die an ihn gerichtet werden, andererseits.
Die
Therapie verläuft in folgenden Phasen,
die allerdings nicht bei jedem Patienten vorkommen müssen:
Neuropsychologie:
Wohnortnahe
Rehabilitation
Wichtige
Erkenntnis bei der Rehabilitation Hirngeschädigter, insbesondere bei der
beruflichen Reintegration, ist verschiedenen Untersuchungen zufolge, dass diese
oft Probleme haben, in den Rehabilitationsinstitutionen Gelerntes in ihren
Alltag selbständig zu transferieren. Auch werden Umstellungen in der häuslichen
oder beruflichen Situation (z.B. Einführung eines neuen Computersystems am
Arbeitsplatz, Umzug in eine neue Stadt) wegen der oft eingeschränkten
Flexibilität und anderer in den Bereich exekutiver Funktionen gehöriger Störungen
nur schlecht bewältigt. In der beruflichen Rehabilitation haben sich deshalb
therapeutische Maßnahmen bewährt, die direkt vor Ort am Arbeitsplatz oder in
der Familie des Betroffenen gewährt werden.
Neuropsychologische
Therapie in der Neurologischen Klinik Westend
Im
frühen Stadium einer neurologischen Erkrankung stehen für Patienten und Angehörige
körperlichen Störungen (nicht laufen können, eventuell die Ausscheidung nicht
kontrollieren zu können, nicht sprechen zu können) oft im Vordergrund der Bemühungen
und Patienten sehen die Wiederherstellung dieser Funktionen in der Regel als
vordringlich an. Psychische Störungen werden oft noch nicht bemerkt oder
wichtig genommen, da man davon ausgeht, dass sie sich bis zur Entlassung von
alleine geben oder sie werden nicht bemerkt, weil sie im Schonraum einer Klinik
nicht benötigt werden. Im Bereich Frührehabilitation steht zunächst
neuropsychologische Diagnostik und die Therapie von organisch bedingten
Patienten
mit ausgeprägten neuropsychologischen Ein
wichtiges Anliegen ist uns die gute neuropsychologische Weiterbehandlung unserer
neuropsychologischen Patienten. Wir arbeiten daher wenn irgend möglich eng mit
niedergelassenen Neuropsychologen zusammen, um die meist erst nach der
Rehabilitation auftretenden Probleme neurologischer Patienten mit
neuropsychologischen Folgestörungen möglichst gering zu halten.
Dr.
K. Schoof-Tams
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